Schnipp-Schnapp – Haare spenden, eine gute Tat!

Schnipp-Schnapp – Haare spenden, eine gute Tat!

Meine Veränderung

Seit längerem wollte ich mein Aussehen verändern und entschied mich für einen neuen Haarschnitt. Da meine Haare extrem lang geworden sind und es zu schade gewesen wäre, sie nach dem Haarschnitt einfach zu entsorgen, suchte ich nach einer alternativen Verwendungsmöglichkeit. Diese fand ich in Form der Haarspende.

Haare spenden - warum?

Jährlich erkranken mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland an Krebs. Einige der wichtigsten Behandlungen gegen Krebs sind die Chemotherapie, die Strahlentherapie oder die Anwendung zielgerichteter Medikamente. Diese Behandlungsvarianten und auch andere Gründe, wie z.B. Hormonveränderungen, Autoimmunerkrankungen und Eisenmangel, können zu einem Haarverlust führen.

Ein Haarausfall macht vielen Patientinnen und Patienten, egal ob erwachsen oder noch ein Kind, zu schaffen. Nach dem Verlust der eigenen Haare leidet das Selbstwertgefühl enorm. Eine Möglichkeit des Verlustauszugleichs und des Wiederaufbaus des Selbstbewusstseins ist, sich eine Perücke zu kaufen. Es gibt Echthaarperücken und Synthetikfaserperücken. Die Preise für Echthaarperücken beginnen im Schnitt bei € 1.200 bis € 1.400 und sind daher extrem teuer. Hierbei handelt es sich häufig um Perücken aus indischem Tempelhaar. Diese Haare werden von Gläubigen in indischen Tempeln geopfert. Der Nachteil ist, dass das Haar oft chemisch aufbereitet wird, um die Haarstärke und -farbe von europäischem Haar nachzuahmen. Durch den Einsatz von Bleich- und Färbemitteln leidet die Qualität der Haare und kann Allergien auslösen. Möchte man eine Perücke kaufen, die aus europäischem Echthaar gefertigt wird, steigt der Preis auf bis zu € 3.500. Synthetikfaserperücken, die einen ansatzweise realistisch aussehen, beginnen preislich bei € 600 bis € 700. Sie sind qualitativ jedoch nicht mit Echthaarperücken zu vergleichen. Die Krankenkassen übernehmen meistens nur einen kleinen Teil. Beispielsweise kann man nach einer Chemotherapie mit € 220 bis € 500 Zuschuss rechnen und bei einer Langzeitbehandlung mit € 350 bis € 915. Daher gibt es Viele, die sich keine Perücke leisten können.

Um diesen Menschen zu helfen, gibt es verschiedene Hilfsorganisationen, die Haarspenden annehmen. Manche fertigen daraus Perücken und lassen diese direkt an die Patienten zukommen. Andere wiederum führen Auktionen durch, bei denen die Perücken deutlich über den Wert verkauft werden und lassen den Betroffenen dann das Geld zukommen. Außerdem gibt es Firmen, die einem die Haare abkaufen. Den Erlös kann man so flexibel an eine Hilfsorganisation seiner Wahl zukommen lassen.

Es gibt unter anderem die Organisation BVZ-Rapunzel in Rosenfeld. Hinter dieser steht der Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten. Sie versteigern einmal im Jahr das gespendete Echthaar und spenden den Erlös an gemeinnützige Organisationen. In diesem Jahr geht das Geld an die Stiftung von Eckart von Hirschhausen „Humor hilft heilen“, die Klinikclowns finanziert.

Alternativ gibt es den Verein Haarfee in Wien. Der Verein lässt Perücken für kranke Kinder anfertigen und vermittelt sie. Jedoch nimmt der Verein nur Haarspenden mit einer Mindestlänge von 40 cm an.

Was muss man beachten?

Es können nicht alle Haare verwendet werden, da sie als Perücke auch viel aushalten müssen.

- Keine strapazierten, kaputten, gefärbten oder chemisch behandelten Haare

- Zöpfe müssen mind. 25 cm sein (Je länger, je gesünder das Haar, desto wertvoller)

- Haare müssen zusammengebunden sein und alle in der selben Richtung liegen

Vorab sollte man mit dem Friseur absprechen, dass man eine Haarspende tätigen möchte. Denn rechtlich gesehen gehören die abgeschnittenen Haare ihm. Ich habe insgesamt 35 cm meiner Haare an die Organisation BVZ-Rapunzel gespendet. Es ist schön, dass ich mit meiner neuen Frisur helfen konnte. Denn so gebe ich einer Patientin/ einem Patienten wieder ein Stück Normalität und Selbstvertrauen zurück.

Natalie Kroter

Rechtsanwältin